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Drei Ziele Behandlung mit Contrain

» Wie funktioniert Kontinenz?
» Was leistet das Kontinenzorgan?
» Der Darm hat einen Knick-Quetschverschluss
» Wann spricht man von einer Stuhlinkontinenz?
» Wer ist von Stuhlinkontinenz betroffen?
» Welche Störungen können zur Inkontinenz führen?
» Was ist Contrain®?
» Woran kann ich die Qualität einer Stimulationsbehandlung erkennen?
» Was ist Elektromyographie (EMG)?
» Wie funktioniert das EMG-Biofeedback bei Contrain®?
» Was ist EMG-getriggerte Stimulation?
» Die Drei Ziele Behandlung mit Contrain®
» Nachgewiesener Erfolg mit Evidenzgrad I
» Neue Lebensqualität mit 3T
» Contrain® bei Blasenschwäche
» Wichtiges für das Training mit Contrain®

Wie funktioniert Kontinenz?

Als Kinder lernen wir, die Darmentleerung bewusst mit dem Willen steuern zu können. Dabei wird der nicht verwertbare Rest unserer Nahrung im letzten Abschnitt des Dickdarmes gespeichert. Ab einer Füllmenge von etwa 50 Milliliter melden Sensoren in der Darmwand die Füllung an das Nervensystem und wir verspüren Stuhldrang. Wenn wir uns diesem Drang überordnen, wird der Verschluss des Enddarmes durch eine Kombination mehrerer Komponenten gewährleistet.

Aufbau und Innervation der Afterschließmuskeln:

  1. Beckenboden und äußerer Afterschließmuskel
  2. Darmwand und innerer Analschließmuskel
  3. Venöser Schwellkörper des Darmes
  4. Sensorische Nervenendigung im Analkanal

Was leistet das Kontinenzorgan?

Die aktiven Kontinenzaufgaben erbringen Muskeln des Beckenbodens und die Schließmuskeln. Der äußere Schließmuskel besteht aus quergestreifter Muskulatur (1) und ist willkürlich beherrschbar. Der glattmuskuläre innere Schließmuskel (2) kann nicht willkürlich gesteuert werden. Die passiven Aufgaben leisten bindegewebige Strukturen und der Schwellkörper des Afters (3), der insbesondere für den Feinverschluss verantwortlich ist (Hämorrhoidalpolster).

Feinfühlige Nervensensoren im Analkanal (4) registrieren dort die Druckverhältnisse und können zwischen Gas, flüssigem und festem Stuhl unterscheiden. Zusammen mit dem dehnbaren Enddarm (Ampulle), der das Reservoir für den Stuhl bildet, und den in die Darmwand eingelagerten Nerven wird diese Funktionseinheit als Kontinenzorgan bezeichnet.

Der Darm hat einen Knick-Quetschverschluss

In dem Zusammenspiel der Muskeln für das Grobe und des venösen Posters für das Feine haben der S-förmige Verlauf des Rektums und ein doppelter Verschluss eine wichtige Bedeutung. Die Kombination aus einem zirkulären Quetschverschluss und einem Knickverschluss ist im menschlichen Körper dort vorhanden, wo eine regelbare Dichtigkeit benötigt wird: am Mageneingang, am Blasenausgang und am Enddarm.

Die Knickfunktion des Enddarmes wird durch einen tief im Bauchraum liegenden Muskel, den so genannten Musculus puborectalis wahrgenommen, der den Darm wie ein Hufeisen umschlingt.

Im Ruhezustand zieht die Puborectalisschlinge beim Gesunden nach vorn in Richtung Schambein und erreicht eine Abwinkelung des Analkanals von etwa 90 Grad. Dieser anorektale Winkel stellt einen wichtigen statischen Kontinenzfaktor dar.

Die Krümmung des Enddarms wird durch den reflexgesteuerten Zug der Puborectalisschlinge bei Druckerhöungen bis auf etwa 70 Grad verstärkt, z. B. beim Husten, Bücken oder Heben schwerer Lasten.

Beim Stuhlgang entspannt sich der Muskel, das Rektum richtet sich auf und die Stuhlsäule steht nun zur ungehinderten Entleerung über dem Analkanal.

 

Wann spricht man von einer Stuhlinkontinenz?

Der anale Kontrollverlust ist keine eigenständige Erkrankung für sich, sondern ein Symptom, das eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen haben kann. Außerdem werden Inkontinenzbeschwerden von Patienten unterschiedlich empfunden und bewertet. Diese Definitionsschwierigkeiten führten zur Entwicklung von SCORE Systemen, mit denen die Art und Häufigkeit der Inkontinenz-Ereignisse und die Auswirkungen auf die Lebensqualität in standardisierten Fragebogen erfasst werden.

Weltweit verbreitet ist der CCS-Score. Er unterscheidet zwischen Inkontinenz für feuchte Winde, flüssigen und festen Stuhl und erfasst die Häufigkeit der Inkontinenzepisoden in einem Zahlensystem von 0 bis 20. Je höher der Wert, desto schwerer die Inkontinenz.

In einer gebräuchlichen Einteilung nach Parks werden bei der analen Inkontinenz drei Ausprägungsgrade unterschieden:
Grad 1: Unfähigkeit feuchte Winde zurückzuhalten
Grad 2: Unvermögen flüssigen Stuhl zurückzuhalten
Grad 3: Unfähigkeit festen Stuhl zurückzuhalten

Wer ist von Stuhlinkontinenz betroffen?

Anale Inkontinenz betrifft nicht nur ältere Menschen, sondern auch jüngere Altersgruppen. Aktuelle Untersuchungen zur Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung nennen Zahlen von bis zu 5%, bei den über 65-Jährigen steigt die Rate für unwillkürlichen Stuhlverlust auf über 10% an.

Frauen sind bei den schweren Ausprägungen der Inkontinenz in einem Verhältnis von etwa 4:1 häufiger betroffen als Männer. Ursachen hierfür sind oft geburtstraumatische Folgeschäden. 35% aller Frauen mit mehrfachen Geburten weisen anale Schließmuskelverletzungen auf. Fast die Hälfte der Frauen mit Stuhlinkontinenz hat gleichzeitig eine Harninkontinenz.

Die anale Inkontinenz ist deshalb ein relevantes medizinisches Problem. Die mit der Symptomatik verbundenen psychischen Belastungen sind oft groß. Viele Betroffene isolieren sich, meiden Kontakte zu Freunden und Bekannten, oder fühlen sich sogar als Gefangene ihrer Toilette.

Bei älteren Patienten ist Inkontinenz eine der Hauptursachen für eine Übersiedlung in ein Alten- oder Pflegeheim.

Welche Störungen können zur Inkontinenz führen?

Die anale Kontinenz kann durch mannigfaltige Ursachen gestört werden. In der Praxis hat sich eine Einteilung anhand der Therapiemöglichkeiten bewährt:

  • Veränderte Stuhlkonsistenz
  • Gestörte Kapazität und Dehnungsfähigkeit
  • Störungen im Beckenboden
  • Störungen des Sphinkters
  • Gestörte Sensibilität
  • Kombination von Störungen

In vielen Fällen kommen mehrere Faktoren zusammen:

Durchfallerkrankung: Eine Durchfallerkrankung kann auch bei ansonsten gesunden Menschen die Kontinenz überfordern. Bei chronischen Darmerkrankungen mit flüssigen Stühlen kann die Wand des Enddarms so stark entzündet oder von Fistelgängen befallen sein, dass die Reservoirfunktion verloren geht.

Verstopfung: Aufgrund zu geringer Trinkmengen dickt der Stuhl im Dickdarm manchmal zu sehr ein; und es bilden sich feste Kotballen. Dünnflüssiger Stuhl fließt daran vorbei und geht unkontrolliert ab. Dies kann auch durch chronischen Missbrauch von Abführmittel entstehen.

Empfindungsverlust: Wenn die sensible Wahrnehmung der Schleimhaut des Analkanals gestört ist, können Winde oder Stuhl unbemerkt abgehen. Die Schleimhaut büßt Wahrnehmungsfähigkeit ein, wenn sie bei einem Darmvorfall nach außen gestülpt ist. Auch eine Überdehnung der Nerven im Becken bei Geburten kann zu Empfindungsverlust führen.

Bei der neurogenen Stuhlinkontinenz liegt die Ursache der Funktionsstörung zumeist im Gehirn: Schlaganfall, Tumore, Altersdemenz. Bei Kindern mit einer Spaltbildung an der Wirbelsäule (Spina bifida) oder degenerativen Erkrankungen wie Multipler Sklerose liegen die Defekte im Rückenmark oder in den peripheren Nerven.

Bei der muskulären Stuhlinkontinenz ist die sensible Wahrnehmung intakt; die Muskeln können den Abgang von Winden oder Stuhl jedoch nicht verhindern. Die häufigste Ursache für eine muskuläre Schädigung bei Frauen sind Dammrisse bei schweren Entbindungen. Ursache einer Beckenbodeninsuffizienz ist meist nachlassende Gewebeelastizität im Alter. Oft liegt eine Kombination mit einem Vorfall des Darmes oder der Gebärmutter vor. Aber auch Fisteln und Fisteloperationen können die analen Ringmuskeln schädigen.

Was ist Contrain®?

CONTRAIN® ist ein akkubetriebenes, programmierbares Kombinationsgerät für das Nerven- und Muskeltraining mit folgenden Funktionen:

  • Elektrostimulation (ES)
  • Elektromyographie (EMG)
  • EMG-Biofeedback & ES Kombinationstraining
  • EMG-getriggerte ES

Wie Contrain® Ihnen helfen kann

Regulationsvorgänge wie die Kontrolle des Darmverschlusses sind dem Bewusstsein vieler Menschen nicht direkt zugänglich, so dass bei Störungen auch nicht bewusst auf den Regelkreis eingewirkt werden kann. Dies ist jedoch mit der Unterstützung durch das CONTRAIN® Gerät einfach und gelingt vielen Patienten bereits nach wenigen Übungssitzungen.

Wie funktioniert das? Informationen dazu finden Sie in den folgenden Abschnitten.

Was ist Elektrostimulation (ES)?

Bei der Elektrostimulation werden Nerven, die im Körper Muskeln steuern, gezielt von außen durch kleine elektrische Impulse angeregt. Die Stimulation ermöglicht eine automatische Muskelanspannung (Kontraktion) ohne dass Sie selber den Befehl an Ihre Muskeln geben müssen.

Das hat den Vorteil, dass Sie damit auch Muskeln trainieren können, die Sie selber aktiv, z. B. durch Gymnastikübungen, nicht beeinflussen können. Auch Muskulatur, die durch einen Unfall oder Operation nervlich geschädigt wurde, wird mit Elektrostimulation erreicht und hat somit die Chance zu Kräftigung und Aufbau.

Woran kann ich die Qualität einer Stimulationsbehandlung erkennen?

Von außen einwirkende elektrische Impulse stimulieren nicht nur Nerven, die Muskeln steuern, sondern erregen alle Nerven in Reichweite. Wenn man von außen mit Elektroden Muskeln stimulieren will, muss der Strom zunächst die Haut- oder Schleimhautbarriere überwinden. Dabei regt der Strom auch Nerven für Gefühle an (Sensorische Nerven), die Kribbelgefühle ans Gehirn leiten.

Wenn man bei der Stimulation die Stromstärke weiter hoch regelt, damit die motorischen Nerven der Muskeln angeregt werden, erfasst man ab einer bestimmten Stärke auch die Schmerznerven. Eine möglichst starke Muskelkontraktion als erwünschte Wirkung wird deshalb durch Schmerz nach oben begrenzt.

Die therapeutische Qualität eines Stimulationsgerätes ergibt sich durch dieses Verhältnis.

Ein gutes Gerät ermöglicht starke Kontraktionen der Muskeln bevor es weh tut.

Wie funktioniert die Elektrostimulation bei Contrain®?

Die Contrain Geräte arbeiten mit einer aufwändigen Technik, die meist nur in großen Standgeräten für physikalische Praxen enthalten ist. Contrain erzeugt Impulse von nur einer Millionstel Sekunde Dauer, die zu Gruppen zusammengefasst werden. Diese Technik wird amplitudenmodulierte Mittelfrequenz-Stimulation genannt, abgekürzt AM-MF.

Die Elektrostimulation mit der modernen Mittelfrequenz-Technik des Contrain Gerätes ist sehr gut verträglich, hoch wirksam und so gut wie nebenwirkungsfrei. Die extrem kurzen Impulse schleichen sich durch die Haut und Schleimhaut ohne sie aufzuladen. Erst im Körper entfalten die Impulsgruppen Ihre Wirkung.

Der therapeutisch nutzbare Bereich und die Eindringtiefe sind wesentlich größer als bei niederfrequenten Stimulationsgeräten, weil die physiologischen Schwellen des Körpers anders angesprochen werden. Dies ist gerade in Körperregionen wie dem Beckenboden wichtig, weil hier eine große Nervendichte vorliegt.

Was ist Elektromyographie (EMG)?

Ihre Muskulatur erzeugt bei jeder Anspannung selbst winzige elektrische Ströme, die man nicht fühlen kann. Diese natürliche elektrische Aktivität im Bereich von nur wenigen Millionstel Volt wird bei der Elektromyographie in Ruhe und bei Bewegung gemessen.

Damit kann die Leistungsfähigkeit der Muskulatur beurteilt werden. Wenn ein funktionsgestörter Beckenboden vor Beginn eines Trainings bei Anspannung nur ein EMG Signal von 5 Millionstel Volt schafft, ist wahrscheinlich eine zu schwache Muskulatur ein Grund für die Störung.

Was ist EMG-Biofeedback?

Das EMG kann man nicht nur für diagnostische Zwecke, sondern auch zur Behandlung nutzen. Falsch ablaufende oder gestörte Körperfunktionen werden durch Rückkopplung besser erkannt und gezielt korrigiert.

Zum Beispiel spannen die meisten Menschen beim Training Ihres Beckenbodens die Gesäßmuskeln anstelle der Schließmuskeln an. Dies führt nicht zu Besserung,sondern verschlechtert sogar eine vorhandene Inkontinenz, weil es den Druck im Bauchraum erhöht.

Im Contrain EMG-Biofeedback Programm sieht man richtiges und falsches Üben sofort auf dem Bildschirm. Es fällt damit viel leichter, Beckenboden und Schließmuskeln korrekt zu trainieren, nämlich den Beckenboden anzuheben statt zu kneifen.

Doppelstrategie:
Kraft entsteht durch „neuronale Anpassung“ und Wachstum.

Kraft durch Anpassung:
Schon bei der ersten Trainingseinheit verbessern Nervensystem und Muskel ihre Teamarbeit.

Wie funktioniert das EMG-Biofeedback bei Contrain®

Contrain überlässt es nicht dem Zufall, mit welchem Schwierigkeitsgrad Sie ihre Übungen durchführen. Das Gerät überwacht kontinuierlich Ihr Training und legt Ihnen computergesteuert die Übungsziele fest. Sie werden weder unter- noch überfordert und erreichen ohne Umwege eine bestmögliche Kräftigung der willkürlichen Muskulatur.

Contrain kann Ihnen auf Wunsch täglich wechselnde Übungsabläufe vorgeben. Dies erhöht deutlich Ihre Aufmerksamkeit bei den Übungen und sorgt für ein schnelleres und tieferes Lernen der korrekten Abläufe.

Das Gerät speichert Ihre Trainingsdaten; diese können bei Bedarf von einem PC-Programm ausgewertet werden und geben Ihrem Arzt Informationen zum Behandlungsverlauf.

Kraft durch Masse:
Nach ca. vier Wochen wird der Muskel dicker, da zusätzliches Aktin und Myosin die Fibrillen verstärken (Hypertrophie)

EMG-Biofeedback & ES Kombinationstraining

Die Wirkungen von Biofeedback und Elektrostimulation werden im Kombinationstraining vereint. Der inaktive Beckenboden wird zuerst durch eine Elektrostimulation angeregt und kann dadurch auch besser lokalisiert werden. Im zweiten Schritt wird der Beckenboden von Ihnen selbst aktiv angespannt und wieder entspannt.

Viele Patienten lernen damit leichter, weil die aktive Bewegung nur wenige Sekunden nach der passiven Stimulationsbewegung erfolgt. Mit regelmäßigem Training erhöht sich sowohl die Schnell- und Haltekraft der Beckenboden- und Schließmuskulatur als auch ihre Koordinationsfähigkeit.

Was ist EMG-getriggerte Stimulation?

Die EMG-getriggerte Elektrostimulation wird angewendet, wenn die nervliche Steuerung von Muskeln gestärkt werden soll, also das "Management" der Muskeln im Vordergrund steht. Dabei bedient man sich der Fähigkeit von Nervengewebe, Defizite auszugleichen und zu reparieren. Man spricht von so genannter Neuroplastizität.

Bei der EMG-getriggerten Stimulation wird dazu die natürliche Nervenschleife vom Gehirn zum ausführenden Organ und wieder zurück genutzt. Jeder Befehl des Gehirns an Muskeln zu einer Bewegung wird mit der sensorischen Rückmeldung quittiert, wie weit der Befehl umgesetzt ist. Eine intakte Schleife ist lebensnotwendig. Wenn ein Muskel keine Bewegungsbefehle erhält, bildet er sich zurück. Wenn das Gehirn keine Bewegungsrückmeldung erhält, bildet es sich ebenfalls zurück.

Wenn die Schließmuskeln für den Darm oder die Blase verkümmert sind, senden ihre Bewegungsmelder auch nur schwache Rückmeldungen ans Gehirn. Als Folge baut sich die Gehirnkarte weiter ab und es entsteht eine Spirale nach unten. Mit EMG-getriggerter Stimulation kann man die Spirale wieder in Richtung Besserung wenden, indem man die Körperwahrnehmung medizintechnisch verstärkt.

Dazu spannt der Patient den Beckenboden an, so gut und fest er kann. Das Gerät misst die Leistungsfähigkeit und legt eine Schwelle fest, ab der das Gerät "zur Belohnung" noch eine Stimulation dazu schaltet. Wenn zum Beispiel der Patient 10 Mikrovolt Anspannung schafft, setzt die Stimulation ein, sobald er 8 Mikrovolt erreicht.

Als Folge entsteht eine stärkere Muskelanspannung mit einer stärkeren Rückmeldung an das Gehirn, wobei das Gehirn nicht unterscheiden kann, dass die kräftige Rückmeldung künstlich erzeugt wurde. Die kräftige Rückmeldung wiederum führt zu einer verbesserten Gehirnkarte, dies zu besserem Management, und die Spirale wendet sich zum Positiven.

Bei vielen Formen der Inkontinenz lassen sich die Ursachen nicht voneinander abgrenzen und die beteiligten Organstrukturen sind alle mehr oder weniger geschädigt. Es ist dann wichtig, zügig ein umfassendes Trainingsprogramm einzuleiten, von dem möglichst alle Strukturen des Kontinenzorganes und des zentralen Muskel-Managements profitieren. Deshalb beinhaltet das Übungsprogramm mit Contrain in der Regel Komponenten mit Kombinationstraining und getriggerter Stimulation.

Die Drei Ziele Behandlung mit Contrain®

Die Behandlung mit Contrain® verfolgt drei Ziele, um die Leistungsfähigkeit von Nerven und Muskeln zu steigern.

1. Die Muskeln werden unter elektronischer Kontrolle aktiv trainiert und gleichzeitig schmerzfrei mit der tief wirksamen Mittelfrequenzstimulation behandelt.

Diese Kombination hat entscheidende Bedeutung, weil es aus anatomischen Gründen nicht möglich ist, alle wichtigen Strukturen des Beckenbodens und der Schließmuskeln alleine mit gymnastischen Übungen zu kräftigen.

Der interne Schließmuskel besteht aus glatter Muskulatur, die willentlichen Beckenboden-Übungen nicht zugänglich ist. Der äußere Schließmuskel und die Puborectalisschlinge bestehen zu etwa 75 % aus langsamen quergestreiften Typ I Muskelfasern. Auch die Typ I Fasern sind gymnastisch nur sehr schwer zu erreichen.

Es ist deshalb sinnvoll diese Muskeln elektrisch zu stimulieren. Die häufig verwendete niederfrequente Stimulation ist dafür jedoch kaum geeignet, weil sie bei der Anwendung am Beckenboden sehr schmerzhaft sein kann. Das Contrain® Gerät arbeitet deshalb mit einer Stimulationstechnik, die für den Einsatz am Beckenboden maßgeschneidert wurde; einer amplituden-modulierten, mittelfrequenten Stromform (AM-MF).

Die biologische Wirkung dieser Stimulation unterscheidet sich grundlegend von Niederfrequenz. Ein Einzelimpuls bei Mittelfrequenz ist zu schwach, um eine Muskelfaser erregen zu können. Die Wirkung entsteht durch Aufsummierung. Dadurch werden weniger Schmerznerven gereizt, die Eindringtiefe ist größer und die Aktivierung von Muskelfasern ähnelt der natürlichen Erregung.

 


 

2. Es werden nicht nur die Schließmuskeln und der Beckenboden gekräftigt, sondern auch der tief im Bauchraum liegende Hufeisenmuskel für den Knickverschluss.

Warum ist der Knickverschluss wichtig? Ein einfaches Beispiel zur Verdeutlichung. Es ist anstrengend, einen Gartenschlauch mit fließendem Wasser über eine längere Zeit zusammen zu quetschen. Es ist einfacher, den Schlauch abzuknicken.

Es ist jedoch keineswegs einfach, den Hufeisen-Muskel bewusst zu trainieren, weil dies eine komplizierte aktive Aufwärtsbewegung des Beckenbodens beinhaltet. Dies gelingt aber zuverlässig mit der tief wirksamen Stimulation des Contrain® Gerätes.

3. Die Koordinationsschwäche zwischen Gehirn und Kontinenzorgan wird behandelt, die bei vielen Menschen eine mit bestehende Ursache für die Darmschwäche ist.

Neuropsychologische Untersuchungen haben gezeigt, dass inkontinente Menschen ein Koordinationsdefizit zwischen Gehirn und Kontinenzorgan haben. Dieses Defizit wird durch Contrain® mit EMG-getriggerter Stimulation behandelt.

Die EMG-getriggerte Stimulation nutzt schwache eigene Nervensignale zur Auslösung elektrisch erzeugter Muskelanspannungen und bewirkt dadurch eine stärkere Rückmeldung an das Gehirn. Dies verbessert die neuroplastische Regeneration.

EMG Aufzeichnung am Beginn einer Therapie mit EMG-getriggerter Stimulation. Die Patientin erzeugt schwache EMG-Signale unter 10 Mikrovolt. Die Triggerschwelle passt sich der Leistung innerhalb der Übungssitzung an. Die Rückmeldung an das Gehirn wird mit einer Stimulation verstärkt, sobald die Patientin 80% ihrer computerberechneten Leistungsfähigkeit erreicht.

EMG-Aufzeichnung nach 5 Monaten Therapie. Die Patientin erreicht jetzt ein starkes EMG-Signal von 30 bis 40 Mikrovolt und verfügt über ein wesentlich besseres Muskelmanagement. Die Patientin hatte vor der Behandlung eine Inkontinenz Grad II und ist jetzt wieder vollständig kontinent.

Was sind randomisierte Studien und was bedeutet Evidenz?

In der modernen Medizin werden für Heilverfahren Beweise der Wirksamkeit gefordert. Die Beweise werden in Kategorien der Beweiskraft eingeteilt; so genannte Evidenzkategorien. Dabei hat Evidenzgrad I auf der Basis von randomisierten und kontrollierten klinischen Studien (abgekürzt RCT) die höchste Beweiskraft.

Bei einer RCT werden die teilnehmenden Patienten so auf Gruppen verteilt (= randomisiert), dass die Gruppen in wesentlichen Eigenschaften möglichst identisch sind. Wenn die Patienten sodann mit unterschiedlichen Medizinprodukten behandelt werden, haben die Produkte also gleiche Bedingungen, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Deshalb gelten randomisierte Studien als bestes Mittel, um objektive Aussagen zu gewinnen.

Die Drei Ziele Behandlung mit Contrain®: Nachgewiesener Erfolg mit Evidenzgrad I

In den 3T Studien wurde nachgewiesen, dass 52 % der Patienten, die zwischen 3 bis 9 Monate mit dem Contrain® Kontinenz-Trainer geübt hatten, nach der Behandlung ihren Darmverschluss wieder vollständig kontrollieren konnten. Annähernd weitere 30 % erzielten eine wesentliche Verbesserung. Die Drei Ziele Behandlung erreichte ohne eine Operation in diesen Studien eine erheblich höhere Wirksamkeit als andere bisher eingesetzte Behandlungen wie z. B. Biofeedback oder die niederfrequente Elektrostimulation (LFS).

Die 3T Studien wurden praxisnahe unter Beteiligung von Universitätskliniken und spezialisierten Zentren durchgeführt. Die Ergebnisse stehen für die gesamte Bandbreite der Stuhlinkontinenz und sind voll auf die Routineversorgung übertragbar.

Neue Lebensqualität mit 3T

Die wieder gewonnene Kontinenz durch die 3T Behandlung in den Studien erzeugte auch bei der Lebensqualität erfreuliche Veränderungen:

Bei der Beurteilung in Studie II, wie weit sich die störenden Auswirkungen der Inkontinenz nach 6 Monaten Behandlung verbessert hatten, vergaben 79% der Patienten in der 3T Gruppe die Noten gut und sehr gut, und nur 7% mangelhaft. In der LFS Gruppe erreichte die Note gut 4% der Antworten, jedoch die Noten mangelhaft oder ungenügend 64%.

Die erfreulichen Ergebnisse für 3T aus den Studien spiegeln sich auch im Behandlungsalltag wieder. Inzwischen wurden mehr als 10.000 Patienten erfolgreich mit Contrain behandelt. Auch bei Blasenschwäche (Belastungsharninkontinenz) und ständigem Harndrang (Urgeinkontinenz) werden gute und sehr gute Erfolge erreicht.

 

Erfolgsbilanz 3T Studien I und II zusammengefasst PP-Analyse: alle Patienten mit Behandlungzeit 3 bis 9 Monate (Gesamt 201 Patienten)

Contrain® bei Blasenschwäche

Annähernd die Hälfte der weiblichen Patienten mit Darmschwäche hat gleichzeitig eine Blasenschwäche. Blasenschwäche umfasst mehrere Formen mit unterschiedlichen Ursachen:

Stressinkontinenz

Bei der Stressinkontinenz (englisch: "stress" = Belastung) oder auch Belastungsinkontinenz kommt es durch körperliche Anstrengung zu unfreiwilligem Harnverlust. Dies kann durch Lachen, Husten, Treppensteigen, Heben oder auch Sport passieren.

Bei der Stressinkontinenz ist der Schließmuskel der Blase zu schwach, um den Harn zuverlässig in der Blase zu halten. Deshalb kann bei Druck auf die Blase Harn austreten. Diese Schwäche des Schließmuskels kann durch Schwangerschaft, Erschlaffung des Gewebes oder eine Operation hervorgerufen werden; letztendlich also die gleichen Ursachen, die zur analen Inkontinenz führen.

Deshalb wird die Belastungsinkontinenz auch mit den gleichen Trainingsprogrammen des Contrain® Gerätes wie eine muskulär bedingte anale Inkontinenz behandelt, also mit einer Kombination aus EMG-Biofeedback und Elektrostimulation oder EMG-getriggerter Stimulation.

Ziel ist die Kräftigung der willkürlichen Muskeln im Beckenboden mit Biofeedback kontrollierten Übungen und die Stimulation der nicht willkürlichen Muskelfasern im Schließmuskel und der Harnblase.

Die Instabile Blase

Das zentrale Symptom einer instabilen Blase ist starker und häufiger Harndrang, der überfallartig auftreten kann. Wenn der Drang nicht mehr beherrscht wird, kann es zum unfreiwilligen Harnverlust kommen, der so genanten Dranginkontinenz. Bei annähernd der Hälfte der Patienten liegt eine gemischte Inkontinenz vor, es bestehen also sowohl Symptome einer Stress- wie auch einer Dranginkontinenz.

Der starke Harndrang entsteht durch unkontrolliertes abruptes Zusammenziehen der Blase, auch wenn sie nur kleine Harnmengen enthält. Ursache ist in vielen Fällen ein altersbedingter Umbau der Blasenwand. Dabei umkleidet Bindegewebe zunehmend die Dehnungssensoren in der Blasenwand und verursacht Falschmeldungen über den Füllungszustand an das Gehirn.

Die Behandlung des Dranges mit dem Contrain® Gerät erfolgt über zwei Wirkmechanismen. Anspannungen des Beckenbodens können Drangsymptome durch gegenläufige Nervenreflexe lindern. Der größere Teil der dämpfenden und die Blase beruhigenden Wirkung entsteht durch Stimulation mit niedrigen Modulationsfrequenzen, bei Contrain etwa 10 Hz.

In der 3T Studie II, wo Blasenschwäche ebenfalls miterfasst wurde, lag die Erfolgsquote bei annähernd 80% der Patienten. Die gute Verträglichkeit der Stimulation mit Contrain® ist bei Dranginkontinenz besonders wichtig, weil die Instabile Blase dauerhaft behandelt werden sollte.

Wichtiges für das Training mit Contrain®

Bei Stuhlinkontinenz werden Durchfallerkrankungen oder Entzündungen des Darms vorrangig behandelt. Bei zu dünnen Stühlen ist eine Stuhlregulierung erforderlich. Angestrebt wird ein geschmeidiger Stuhl, der ohne Druck abgesetzt werden kann.

Lernen Sie, wie man im Alltag Druckbelastungen auf Blase und Darm vermeidet. Änderungen im Bewegungsverhalten, beim Bücken, Heben oder Pressen werden in der Krankengymnastik vermittelt.

Die zentrale Aufgabe bei den aktiven Übungen und bei der Stimulation mit Contrain® besteht darin, die Elektrode wie einen „Fahrstuhl“ anzuheben. Dies gelingt, wenn der Puborectalismuskel angespannt wird; das Zusammenkneifen der Sphinkter reicht dafür nicht aus.

Die Übungen werden in der Regel zweimal täglich je 15 bis 20 Minuten im Stehen mit anal oder vaginal eingeführter Elektrode durchgeführt. Fast alle Patienten gewöhnen sich sehr schnell daran. Es ist so, als ob man ein Zäpfchen oder einen Tampon eingeführt hat.

Wichtig ist, die Muskeln des Kontinenzorgans selektiv zu kräftigen, dabei aber keine Muskeln zu aktivieren, die den Druck im Bauchraum erhöhen. Viele Patienten müssen ihr Kneifverhalten beenden, dass sie sich durch Anspannung von Muskeln des Bauches, des Gesäßes und der Oberschenkel angewöhnt haben.

Die neuroplastische Wirkung des Trainings hängt von der Konzentration bei den Übungen ab. Es ist vergeudete Zeit, wenn Sie dabei Fernsehen oder ein Buch lesen.

In Abhängigkeit von Stärke und Ursache der Inkontinenz kann es einige Monate dauern, bis sich die Kontrollfähigkeit wieder einstellt. Danach ist bei einigen Patienten eine Fortsetzung notwendig, um das Ergebnis zu halten und zu festigen.